Beckett, Simon - Die Chemie des Todes

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07 März 2009 18:26 #1 von Conny1966
Autor: Beckett Simon
Titel: Die Chemie des Todes
Originaltitel: The Chemistry of Death
Erschienen: 17. Februar 2006
Verlag: Wunderlich
ISBN10: 3805208111
ISBN13: 978-3805208116
Seitenzahl: 430
Einband: HC
Serie:Die Fälle von Rechtsmediziner David Hunter Bd.1


Autorenportrait:

Simon Beckett arbeitete als Hausmeister, Englisch- und Spanischlehrer und war Schlagzeuger in mehreren Bands, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Als Journalist lernte er dann bei diversen Reportagen die Polizeiarbeit von innen kennen. Für „Die Chemie des Todes“, seinen ersten Thriller um den Rechtsmediziner David Hunter, recherchierte er auf der berühmten „Body Farm“ des FBI in Tennessee. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.

Quelle: Klappentext


Inhaltsangabe:

David Hunter war einst Englands berühmtester Rechtsmediziner. Nach dem Unfalltod seiner Frau und der gemeinsamen Tochter hat er London den Rücken gekehrt und sich in Manham, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Devon, als einfacher Allgemeinmediziner niedergelassen. Weder sein Arbeitgeber, der alte Dr. Maitland, noch die Dorfbewohner wissen etwas von seiner Vergangenheit.
Drei Jahre sind seitdem vergangen, als von zwei Jungen die Leiche der ortsansässigen Schriftstellerin Sally Palmer entdeckt wird. Die Ermordete wurde mit zwei angesteckten Schwanenflügeln aufgefunden. Auf Drängen des örtlichen Chief Inspector Mackenzie obduziert Hunter den Leichnam. Währenddessen verschwindet eine zweite Bewohnerin des Dorfes. Die Verdächtigungen der Einheimischen richten sich zuallererst gegen David Hunter, den in ihren Augen immer noch Fremden ...
Die Chemie des Todes erzeugt Spannung durch gewohnte, aber gelungen zusammen gestellte Zutaten. Ein überschaubarer Kreis von möglichen Tätern, Dorfbewohner, die sich gegenseitig verdächtigen sowie mehrere falsche Fährten, die der Autor geschickt auslegt. Das gerichtsmedizinische Moment ist interessant beschrieben, ohne jedoch zu sehr ins Detail zu gehen. Stark auch die Darstellung der zunehmenden Hysterie im Ort, die durch einen zur Selbstjustiz aufrufenden Pfarrer noch geschürt wird. Lobend zu erwähnen ist auch die sprachlich einfühlsame Übersetzung von Andree Hesse.
Aber es gibt auch eine deutliche Schwäche in dem Erstlingswerk des britischen Autoren. Sehr schade ist, dass Simon Beckett unnötigerweise so ziemlich alle bekannten Klischees des in den letzten Jahren so erfolgreichen Psychopathen-Genres benutzt. Durch diese Anhäufung verlieren die Handlung an Glaubwürdigkeit und der Roman an Qualität. Fazit: Die Chemie stimmt nicht ganz in Die Chemie des Todes. --Christian Koch

Quelle: Amazon.de


Eigene Meinung:

Der erste Thriller der David Hunter-Reihe von Simon Beckett hat mich von der ersten Zeile an gefesselt!
Die medizinisch-anthropologischen Beschreibungen sind zwar gewöhnungsbedürftig und nichts für schwache Nerven und reizbare Mägen, passen aber wunderbar in die Geschichte.
Der Roman ist in der Ich-Form aus Sicht des forensischen Anthropologen David Hunter geschrieben, wodurch man immer sofort mitten im Geschehen ist.

David Hunter, der Protagonist, zieht nach einem Schicksalsschlag, bei dem er Frau und Tochter verlor, aus der Großstadt London aufs Land ins eigentlich beschauliche Dorf Manham.
Seinen Beruf, in dem er zu den Besten Englands zählt, möchte er nicht mehr ausüben, und lässt sich deshalb als Landarzt in einer Praxis nieder, wo der gegenwärtige Arzt durch einen Unfall querschnittsgelähmt wurde.
Als jedoch auf mysteriöse Art verstümmelte Leichen auftauchen, wird er von der Polizei hinzugezogen.

Die ganze Geschichte entwickelt sich mit einem unheimlichen Spannungsbogen, so dass man gar nicht aufhören möchte weiterzulesen. Teilweise musste ich richtiggehend den Atem anhalten, so dramatisch wurde es. Auch die Hintergrundhandlung vom Leben im Dorf Manham wurde sehr schön eingeflochten.

40 Seiten vor Schluss, als man denkt, jetzt ist alles vorbei, baut sich noch mal eine derartige Spannung auf, dass man wirklich zu Ende lesen muss, egal wie spät es ist, oder ob man Termine hat! Diese letzten Seiten sind das i-Tüpfelchen!

Mir hat „Die Chemie des Todes“ sehr gut gefallen, so dass ich Simon Becketts Nachfolgethriller bereits im Regal stehen habe!
Was Besseres habe ich noch nicht gelesen!

:*****: eigentlich müssten es sechs * sein

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20 Juli 2009 15:26 #2 von haTikva
Meine Meinung:

Dieses Buch ist mein erstes der Art, in der die Ermittlungsmethode aus Sicht eines forensischen Anthropologen stattfindet. Bis dato kannte ich diese Methode nur aus Fernsehserien wie "CSI - den Tätern auf der Spur" oder "Bones".
Es war mal was ganz anderes und ich muss sagen, es gefällt mir!
Dadurch erinnerte mich Dr. Hunter aber wahnsinnig an Grissom von CSI, für den ich etwas schwärme *g*
Ich kann zwar mit Insekten nichts anfangen, aber ich finde das Wissen darüber, wenn sie Leichen untersuchen, irgendwie sexy ^^

Auch die Art, wie Dr. Hunter immer wieder erzählt, das er gewisse Situationen in kommender Zukunft bereuen wird, oder das sich demnächst etwas ändert, anhand seiner Entscheidungen, kannte ich bis dato noch nicht. Es ist aber interessant und so wird man auch immer neugieriger, was diese Aussagen denn nun zu bedeuten haben.
Auch das Privatleben von Dr. Hunter kommt immer wieder vor und die "Beziehung" zu Jenny ist nett beschrieben. Ich zumindest konnte richtig merken, dass Hunters Geist was anderes will als seine Sprache oder sein Köper *g*

Zum ersten Mal, dass ich ein Buch in der Ichform eines Mannes lesen durfte. Wobei man da gleich mitbekommt, dass Männer tatsächlich viel weniger emotional sind als Frauen. Zumindest wirkte das hier in diesem Fall so auf mich.
Trotz der kurz gewöhnungsbedürftigen Ichform aus Sicht eines Mannes, lässt sich das Buch flüssig lesen.

Sehr wenige Male wird aus der Sicht des Opfers geschrieben. Allerdings erfährt man dadurch nichts von dem Täter.
Den Protagonisten selbst darf man sich vorstellen, wie man möchte. Er wird vom Aussehen nicht beschrieben und mit seinen Charaktereigenschaften hält er ebenfalls hinter dem Berg. Ansonsten erfährt man im Laufe des Buches, wieso er da ist, wo er gelandet ist und was es damit auf sich hat.

Schon am Anfang darf man gleich in seine "Arbeit" mit einsteigen und so ist man gleich im Geschehen dabei. Langsam, aber stetig baut sich eine Spannung auf, die am Ende zu einem richtigen Höhepunkt kommt.

Mit was ich etwas Probleme hatte, war der Wechsel zwischen zwei Standorten, die von einem Satz auf den nächsten wechselten, ohne Vorankündigung. Das war etwas gewöhnungsbedürftig.

Fazit:
Eine neue Erfahrung und ich werde diesem Doktor treu bleiben. Somit gibt es 4 von 5 Sternen, mit steigender Tendenz.
:****:

Gesegnete Grüße Dine

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08 Aug. 2010 18:15 #3 von Meggie
Meine Meinung:

Dr. David Hunter, der beste forensische Anthropologe Englands, hat es nach dem tödlichen Unfall seiner Frau und seiner Tochter, in das kleine Städtchen Manham verschlagen, wo er als Landarzt versucht, die schreckliche Vergangenheit zu bewältigen.
Er scheint auch sein Glück gefunden zu haben, bis der Tod ihn wieder einholt...

Am Ende des Buches hatte ich nur einen Gedanken: Wow. Rasant und ohne Längen erzählt der Autor eine Geschichte, die unter die Haut geht. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Spannung wird im ganzen Buch gehalten. Bis zuletzt wusste ich nicht, wer der Mörder war. Meine Vermutung hat sich als falsch herausgestellt.
Dies freut mich, denn so hat mich der Autor überzeugen können.

Ich hatte in der letzten Zeit eine kleine Leseflaute, aber David Hunter hat es geschafft, mich aus dem Tief wieder herauszuholen.

Fazit:
Simon Beckett's Schreibstil hat mich gefesselt und ich freu mich jetzt schon auf den zweiten Teil "Kalte Asche".

:****:


LG Meggie

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23 Jan. 2011 11:34 #4 von Ikopiko
Meine Meinung:

Simon Beckett legt mit "Die Chemie des Todes" seinen ersten Roman vor, der gleichzeitig Auftakt einer spannenden Serie um den Rechtsmediziner David Hunter ist.

"Wenn ein Körper ungefähr eine Woche tot ist, beginnt sich die Haut zu lösen. Deswegen sieht die Haut einer Leiche so verschrumpelt aus, als würde sie nicht richtig passen. Besonders an den Händen. Am Ende fällt die obere Schicht vollständig ab, wie ein Handschuh. Das wird häufig übersehen, weil die Leute nicht wissen, was es ist, und es für Laub halten."

Wem bei diesem Zitat übel wird, sollte um das Buch einen Bogen machen. Beckett nimmt kein Blatt vor den Mund bei der Beschreibung von verwesenden Leichen.

Manham, ein kleines Dorf in Norfolk: Der Rechtsmediziner David Hunter minnt hier die Stelle als Landarzt an um vor seiner Vegangenheit zu fliehen. Lange kann er seinen früheren Beruf geheim halten, doch als im Dorf eine Leiche gefunden wird, ist sein Können gefragt. Bei einer Leiche bleibt es nicht und Hunter gerät in einen Sog aus Angst, Misstrauen und Gefahr.

Becketts Debüt ist ein wahrer pageturner. Gleich zu Beginn wrid die erste Leiche gefunden, die nächste Entführung einer Frau kündigt sich bereits an. Der Leser fiebert mit: Wer wird das nächste Opfer sein? Wird es überhaupt ein weiteres Opfer geben? Verschiedene Personen werden verdächtigt, Verdächtigungen werden wieder verworfen ... Die Auflösung bleibt bis zum Ende offen.

Ein bisschen erinnert der Roman an die Fernsehserie "Autopsie". Es wird Hintergrundwissen über die Untersuchung von Leichen mehr als spannend verpackt.

Fazit:

Mit "Die Chemie des Todes" hat Beckett einen Volltreffer gelandet. Ein unbedingtes "Muss" für alle Thrillerfans, jedoch nichts für schwache Nerven.

Ich vergebe volle 5 Sterne.

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15 Nov. 2013 09:27 - 03 Jan. 2024 13:28 #5 von Tuppi
Meine Meinung:
David Hunter versucht in Manham neu anzufangen. Nachdem seine Frau und Tochter bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, hat er seine Arbeit als forensischer Anthropologe aufgegeben und ist aus London weg. Seit drei Jahren lebt er jetzt als Arzt in der Praxis des im Rollstuhl sitzenden Dorfdoktors in Manham, aber die Gemeinde hat ihn noch nicht aufgenommen. Er wird wohl immer ein Fremder sein. Als eine Leiche gefunden wurde, holt ihn sein altes Leben wieder ein.

Das Buch ist sehr fesselnd. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und ich konnte mir alles bildlich vorstellen. David war mir von Anfang an sympathisch. Nachdem in dem friedlichen Dorf, in dem er jetzt lebt, ein schrecklicher Mord geschieht, ist es mit der Ruhe vorbei. Der Täter ist unauffindbar und die Bewohner wittern nach einem zweiten Mord in jedem den Täter. Unschuldige Menschen werden verdächtigt und bedroht. Der unsympathische Pfarrer stachelt seine Gemeinde auch noch an. Die Polizei ist hilflos. Auch David, der der Polizei als Anthropologe helfen soll, wird verdächtigt, weil die Polizei ihn mitgenommen, also verhaftet hat. Nebenbei beginnt er langsam eine neue Beziehung mit der ebenfalls zugezogenen Jenny. Während das Misstrauen in dem Ort wächst, beginnt er 4 Jahre nach dem Tod seiner Frau sich wieder einer Beziehung zu öffnen.

Das Ende war heftig. Nachdem Jenny das dritte Opfer wurde, bekam der Leser mit, wie die Frau behandelt wurde. Sie hat zwar den Täter erkannt, aber ich war - genauso wie David und der Polizist Mackenzie - auf dem Holzweg und hatte den falschen in Verdacht. Mit dem eigentlichen Täter habe ich überhaupt nicht gerechnet. Es ist erschreckend, sich das ganze Ausmaß vorzustellen. David verarbeitete den Tod seiner Frau und Tochter in seinen Träumen, das fand ich gelungen.
Das Buch war durchweg spannend und ich habe gefiebert und gerätselt. Im letzten Drittel wurde es dann aber ziemlich heftig und die Geschichte ging mir dann sehr stark unter die Haut. Das Ende war in Ordnung und ich werde mit Sicherheit irgendwann das Folgeband lesen, auch um zu erfahren, wie es mit David weiter geht.

Fazit:
Nichts für schwache Nerven!
:*****:


15.11.2013 - 384

Viele Grüße Nicole

EIN TAG OHNE LESEN IST KEIN GUTER TAG!
Letzte Änderung: 03 Jan. 2024 13:28 von Tuppi.

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10 Juli 2024 04:56 #6 von SarahF
MEINE MEINUNG 

Das Buch hat einen recht eigenen Stil. Erzählt wird es eigentlich aus Davids Perspektive und zwar in der Ich-Form. Dennoch greift der Autor auch auf Szenen zu, die David gar nicht beigewohnt hat, beschreibt diese erzählerisch und geht auch in andere Perspektiven, bei denen die Opfer erzählen. Es ist anders, aber ich muss zugeben, dass mir die Umsetzung gefiel.

Generell hat mir das Buch mit seiner Geschichte sehr gut gefallen. Ich hatte schon von Anfang an einen kleinen Verdacht, der jedoch auf der Frage nach dem "Warum" beruhte. Erst später, als es ins Detail und langsam in Richtung Auflösung ging, wurde etwas verraten, dass meinen anfänglichen Eindruck bekräftigte. Die Erklärung ist so simple wie gut. Zumindest hat mir der Schluss sehr gut gefallen. Er ist zwar konstruiert, als müsste man eben den unwahrscheinlichsten Verdächtigen nehmen, aber ich fand es zumindest logisch aufgelöst. 

Die Geschichte selbst geht um Verlust, Festsitzen, Verpassen, Wünsche. Das wird alles in einem Mix aus Ermittlungs-Kriminalroman und Anthropologie verpackt. Hier erfährt man wirklich viel über Maden, deren Stadien, Verwesung im Allgemeinen. Ich fand diesen Teil, der wirklich viel Platz einnimmt, sehr spannend, sachlich und perfekt integriert. Manchmal dürfte es aber nichts für schwache Mägen sein. 

Allerdings will ich das Buch auch nicht in den Himmel loben, denn gerade der mittlere Teil hat sich schon sehr gezogen. Außerdem empfand ich den Schluss als sehr konstruiert. 

BEWERTUNG ⭐️⭐️⭐️⭐️

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