Dabei seit: 13 Sep, 2008
Beiträge: 214 Heimatort: Hamburg Hobbies: Lesen, Lachen, Faulenzen, Sport Beruf: Krankenkassen- Fee Lese gerade: "Tiere essen" - Jonathan Safran Foe
Große Kleinigkeiten und kleine Großigkeiten
Der Alltag ist erbarmungslos.
Jeden von uns packt er täglich aufs Neue.
Immer beginnend mit einem penetranten und nicht grade angenehmen Klingeln, Dröhnen oder Piepen des eigenen Weckers, der zum Ziel hat, uns aus der schlafenden Seeligkeit heraus zu zwingen. Sobald er das geschafft hat ( es soll Leute geben die bis zu 5 Mal die "snooze" Tase drücken), torkeln wir mit zombieartiger Anmut und Alice-Cooper-Gedächtnisfrisur ins Bad, um uns vom warmen Wasser zu einem zivilisationsbereiten Wesen machen zu lassen.
Soweit dürfte es bei fast jedem gleich ablaufen. Erst wenn der erste Fuß aus dem Bad tritt, dann beginnen die individuellen Lebenläufe.
Der Alltag zieht uns wieder in seinen Sog. Entweder beginnt die Arbeits-Monotonie mit dem immer gleichen Arbeitsweg, den immer gleichen Gesichtern denen man einen guten Morgen wünscht und den zumeist gleichen Arbeitsabläufen.
Oder man tut vom frühen Morgen an sein Bestes um die eigenen Rabauken unter Kontrolle und in die Schule zu bekommen, um den Haushalt zu schmeissen, um zu kochen für die Schul-Feierabendler und alles fertig organisiert zu haben wenn Abends der Gatte nach Hause kommt, der dann den Kindern einen letzten Kuss geben kann, bevor es am nächsten Morgen von Vorne anfängt.
Der Alltag ist deshalb so gefährlich weil er sich einschleicht ohne gebeten zu werden. Weil er sich festsetzt, in den Gliedern, im Gemüt, im Kopf. Er führt oftmals dazu, dass man nicht mehr reflektiert. Oder nur die negativen Dinge überdenkt.
So ist es mir lange gegangen.
Aber irgendwie ist ein kleiner Knoten geplazt. Worum ich sehr froh bin. Ich sitze im Halbdunkeln in meiner Haubutze, eine Kerze neben mit stehend, völlig im Reinen mit mir und meinem Leben.
Dies mag nun etwas merkwürdig klingen oder gar esoterisch angehaucht rüberkommen. Aber das ist es ganz und gar nicht.
Ich habe einfach gemerkt, dass man im Alltag nicht vergessen darf wer oder was einem wichtig ist, was man doch alles an Positivem in seinem Leben hat und was einem doch ganz schön fehlen würde wenn man es nicht mehr hätte. Auch wenn man sich andauernd darüber beschwert.
Ich habe die Neigung dazu gehabt in letzter Zeit zu nörgeln, einfach weil es in mir drin war.
In meiner Beziehung zum Beispiel. Mein Freund und ich hatten sehr schwere anderthalb Jahre, die wahrscheinlich fast kein anderes Paar überstanden hätte. Wir haben es überstanden, wohnen nun nur 2 Strassen auseinander und sehen uns 3 mal die Woche statt 1 mal in 3 Monaten wie noch vor ein paar Monaten. Und dennoch habe ich immer wieder irgendetwas gefunden worüber ich mich beschweren konnte.
Was für ein Stuss.
Ich habe endlich meinen Freund an meiner Seite, ich habe endlich eine "normale" Beziehung mit einem ganz wundervollen Mann, der ne Menge Eigenheiten hat, aber auch meine Eigenheiten akzeptiert. Es gibt keinen Grund mich zu beschweren. Und das werde ich auch nicht mehr tun. Ich bin glücklich mit ihm. Und das wird mir eine alte Gewohnheit nicht kaputt machen.
Dann die Arbeit. Am schnattern war ich innerlich auch über die Arbeit. So anstrengend, so stressig, so doof.
Aber hey, ich habe einen Job. Dieser Job ermöglicht es mir in meiner eigenen Wohnung zu leben und selbstständig zu sein. Ich habe Leute kennengelernt die mittlerweile mehr sind als nur Arbeitskollegen. Und ich werde höchstwahrscheinlich in einem Monat eine feste Stelle dort bekommen, in einem anderen Bereich der gerade aufgebaut wird. Und das wird stressig. Aber das ist großartig. Ich kann arbeiten, ich kann mich engangieren, ich kann meine Fähigkeiten anweden und habe mehr im Geldbeutel. Da ist kein Platz für Beschwerden. Ich bin froh einen Job zu haben in dem ich ernst genommen werde und das nach gerade mal 4 Monaten.
Im Herbst werde ich das Studieren wieder anfangen. Ich werde neben einem Vollzeitjob auch vollzeit studieren. Das wird anstrengend, das wird stressig. Ja, das wird es. Aber hey, wenn ich damit fertig bin dann steht mir die Welt offen. Ohne den Job könnte ich das Studium nicht finanzieren und ohne Studium könnte ich meine Zukunft nicht selbst gestalten. Also was solls. Ich bin jung, hab was im Kopf und werde es ja wohl hinbekommen das zu kombinieren. Da haben andere schon ganz andere Dinge geschafft.
Ich hab in den letzten 18 Monaten fast 20 kg zugenommen.
Verdammte Sch***. Runtergemacht hab ich mich emotional. Unattraktiv habe ich mich ganz lange gefunden. Gelähmt war ich vor lauter Selbststrafe. Aber auch da ... hey ! Ich habe einen Mann der mich liebt genau so wie ich bin. Ich habe eine Fitnessstudiomitgliedschaft die seit Monaten brach liegt, weil ich mehr Zeit damit zugebracht habe in Selbstmitleid zu vergehen als die Kurven aufs Laufband zu schwingen.
Ja, ich bin übergewichtig ... schönen guten Tag ... fühl ich mich wohl, bleib ich so, fühle ich mich nicht wohl, ändere ich es. Punkt. Ich fühle mich nicht wirklich wohl, also ändere ich es. Punkt.
Mein Fitnessstudio weiß bereits Bescheid und wird sich melden wenn ich wieder dazu tendieren sollte es schleifen zu lassen.
Sehr lange Rede, ganz kurzer Sinn ... (meine Spezialität) ...
Vergesst nicht was euch wichtig ist, wer euch wichtig ist, was ihr habt und was ihr erreichen könnt, wozu ihr in der Lage seid. Nehmt euch abund ab mal Zeit zum Reflektieren. Zum Glücklich-sein. Findet ihr nichts in eurem Leben was euch glücklich macht ? Glaube ich nicht. Gibt es zu wenig ... was kann man daran ändern ?
Ich bin jungen Alters und auch nicht in einen Weisheitstrank gestolpert, ich habe einfach nur für mich entdeckt, dass das Leben mehr ist als ich bisher dachte und möchte das mit euch teilen. Denn auch ihr habt mit Sicherheit sehr viele Dinge um euch herum die es wert sind öfter mal beachtet zu werden.
Ganz liebe Grüße
♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥ Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.
--- Franz von Assisi ---
Dabei seit: 17 Sep, 2008
Beiträge: 6531 Heimatort: Krefeld Hobbies: Lesen, Lachen, Faulenzen Beruf: Groß- und Außenhandelskauffrau Bücher gelesen in 2013: 15,5 Seiten gelesen in 2013: 5803 Lese gerade: Klaus-Peter Wolf - Ostfriesensünde
Liebe Jennifer,
das hast Du sehr gut beschrieben. Wer von uns versinkt nicht schon mal im Selbstmitleid und denkt, alles sei schlecht und aussichtslos? Vielen Dank für Deine aufbauenden Worte. Ich freue mich, dass es Dir nun besser geht. Bleib so wie Du bist!
Dabei seit: 13 Sep, 2008
Beiträge: 8720 Heimatort: Ba-Wü, Kreis Karlsruhe Hobbies: lesen, sticken, Freunde treffen Beruf: Tupperware-Beraterin Bücher gelesen in 2013: 42 Seiten gelesen in 2013: 14.679 Mein SUB: 209 Lese gerade: Schwaben-Wut
Du hast die Wahrheit mal wieder auf den Punkt (bzw. in einem Text) gebracht! Herzlichen Dank dafür.
Momentan kullern mir gerade ein paar Tränen übers Gesicht, weil ich mich in vielem wieder finde. Und Deine weisen Worte bringen mich zum Nachdenken. Dafür danke ich Dir ganz herzlich!
Ich lese aus Deinen Zeilen, daß es Dir jetzt wieder besser geht, das freut mich ungemein. Und ich bin ebenfalls sehr froh, daß ich Dir hier wieder begegnen darf. Ich wünsche Dir (und eigentlich auch mir), daß Deine Worte einen fruchtbaren Boden gefunden haben. und wenn es mal wieder Überhand nimmt, dann hoffe ich daß ich mich an diese Zeielen erinnere und werde es nochmals lesen. Dankeschön!
Ich wünsche Dir, daß Deine Zukunft rosig wird und daß sich Deine Wünsche erfüllen!
Dabei seit: 01 Oct, 2008
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Zitat:
Original von Netha
Hej Jenny,
wie wahr, wie wahr.
Viel zu oft sieht man nur das negative.
Danke für deine schöne Kolumne.
Und sehr schön dich hier wieder zu lesen.
all dem kann ich mich nur anschließen.
man sollte automatisch immer wieder aus dem alltag ausbrechen, damit es nie langweilig wird und nichts und niemand einem überdrüssig wird.
tolle worte! und schön wieder was von dir zu lesen
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Dabei seit: 13 Sep, 2008
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Jenny schön wieder einmal von Dir zu lesen!
Deine Worte haben mich sehr nachdenklich gemacht. Es stimmt manchmal versinkt man gerne im Selbstmitleid und sieht nur das Negative. Aber es gibt so viele schöne Sachen und Erlebnisse. Wenn wir manchmal nur mehr Beachtung schenken würden, würde es uns vielfach besser gehen.
Das habe ich am eigenen Leib erlebt.
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